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Neue Kölner e.V.

Im vom Kölner gemeinhin so genannten Klösterchen im Süden der Stadt werden viele Kinder auf die Welt gebracht. So auch unsere Tochter vor nunmehr fast vier Jahren. Um vor und nach der Geburt aber ebenso gut betreut zu werden, gibt es den mit dem Klösterchen kooperierenden Verein Neue Kölner. In den gut ausgestatteten Räumlichkeiten, die quasi am Krankenhaus angeschlossen sind, gibt es vor und nach der Geburt umfängliche Betreuungsangebote. Seit Almas Geburt habe ich eine Menge Mitarbeiter dort ehrenamtlich fotografiert und tue dies auch weiterhin. Vor kurzem aber wurde auch die Renovierung der neuen Räume fertig gestellt, und so erhielt ich den Auftrag, diese abzulichten. Nicht ganz mein Metier, habe ich nach kurzem Zögern zugesagt und mich um adäquate Resultate bemüht. Sozusagen mal ein Shooting außer der Reihe!

Nikon Nikkor 28 1.4 E

Nikon 28 1.4 @1.4
(Leider streckt Koken das Bild, so daß die wirkliche Schärfe nicht erkennbar ist, grmpf)

Technisch gesehen ist ein gutes Objektiv erheblich wesentlicher für die (technische) fotografische Qualität als eine gute Kamera. Heutzutage nehmen sich die meisten Kameras ihrer Klasse im Grunde nicht viel: die eine hat die Nase bei der maximalen ISO-Zahl vorne, die andere eine höhere Pixeldichte etc. Wenn ich gefragt werde, welche Kamera ich empfehlen würde, ist mein erster Rat immer: suche Dir eine gut in der Hand liegende Kamera. Es ergibt keinen Sinn, sich eine vermeintlich tolle Kamera zu kaufen und sie nur ungern in die Hand zu nehmen, weil sie sich nicht recht anfühlt. Ich trage meine Kameras nicht an Gurten, sondern in der Hand, und sie müssen gut greifbar, der Auslöser und die Knöpfe für meine Hände gut erreichbar sein. Dann fotografiere ich damit auch gerne!

Der zweite wesentliche Punkt, sich ein Kamerasystem auszusuchen, ist die Auswahl an Objektiven. Wer eher qualitativ und langfristig investieren will, kauft sich die besten Objektive für den jeweiligen gewünschten Einsatz. Nicht immer ist das Objektiv mit dem höchsten Auflösungsvermögen auch dasjenige, was man bei einer Reportage umhertragen will. Es könnte schlicht zu schwer oder nur manuell fokussierbar sein.

Meine technische Priorität bei der Objektiv-Auswahl sind: eine eigene Anmutung, also eine wiedererkennbare Qualität des "Renderings," Mikrokontrast, offenblendig eine hervorragende zentrale Auflösung und schöne Verläufe zwischen Schärfe und Unschärfe, auch Bokeh genannt. Es gibt Objektive, die unglaublich gut auflösen, wie das Sigma 85 1.4, dabei jedoch eher einen klinischen Look und durch die brachiale Schärfe auch schon Farb-Aliasing hervorbringen. Objektivhersteller müssen immer einen Kompromiss finden zwischen allen Faktoren! Es gibt kein ideales Objektiv, auch wenn Zeiss in der Kompromissfindung mit der Otus-Linie am Kleinbild so weit vorgedrungen ist, daß man schon kaum noch von Kompromissen sprechen kann. Aber Otuse sind sehr teuer und nur manuell fokussierbar.

Nikon hat mit dem AF-S 105er 1.4 eines dieser Fast-Kompromisslos-Objektive herausgebracht, die Weltklasse sind. Allein dieses Objektives wegen könnte man berechtigterweise zum Nikon-System greifen. Wäre es von Zeiss oder Leica, würde alle Welt aufschreien und das doppelte bis dreifache dafür zahlen wollen. Zum 105er werde ich noch etwas schreiben, benutze ich es doch auch schon seit einiger Zeit.

Nikkor 105 1.4 @2.0

Meine Hoffnung ist, daß das neue 28er 1.4 auch diese Weltklasse erreicht. Dann habe ich die beiden wesentlichen Brennweiten für meine Einsatzgebiete!

Nikkor 28 1.4 @1.4

Im Laufe dieses Beitrages werde ich versuchen, dies herauszufinden. Die ersten Ergebnisse sind zumindest vielversprechend!

Nikon 28 1.4 E @ 1.4

Was ich Weltklasse finde, ist die Anmutung des Objektives, der Look. Es hat fast cineastische Qualität. Wie Licht aufgenommen wird, die Farben, die Tonalität der Bilder...hier ist meine Hoffnung erfüllt.

Nikon 28 1.4 E @ 1.4
Nikon 28 1.4 @ 1.4

Mikrokontrast: check! In der Bildmitte überragend. Wie es Richtung Ränder aussieht, werde ich noch erruieren.

Nikon 28 1.4 E @1.4
Nikon 28 1.4 @2.0
Nikon 28 1.4 E @1.4

Schärfe-Unschärfe-Verläufe, und vor allem auch Vordergrund-Hintergrund-Separation sind ebenso schlicht phantastisch. Die Bilder wirken dreidimensional, ohne jede Aufdringlichkeit in den unscharfen Bereichen, auch wenn diese im Vordergrund sind.

Nikon 28 1.4 @1.4
Nikon 28 1.4 @ 1.4

Weil´s nicht sein muss, noch ein langweiliges Blendenstern-Foto ;)

28 1.4 E @f16

Festakt Eröffnung Chorakademie WDR

Kleine Kamera - oh Wunder

Der Trend geht zur kleinen Kamera, zumeist der im Smartphone. Die ist immer dabei und hat eine uns nun schon sehr vertraute Reportage-Brennweite von etwa 28mm. Aber: ein wenig mehr investiert, und schon können die Ergebnisse erheblich besser sein. Ich habe da einen kleinen Tipp: die Nikon Coolpix A. Der Name ist nicht schön, ihr Konkurrent Ricoh GR erheblich geschickter benannt. Die Nikon aber ist gebraucht günstiger und bietet gleiche Bildqualität. Und die ist erste Sahne.

Das kleine Festbrennweiten-Objektiv und der grandiose Sensor ohne Hochpass-Filter ermöglichen Bilder, die schon auf dem kleinen, aber brilliantem Display der Mini-Kamera einen Wow-Effekt auslösen. Bilder können auch im Raw-Format aufgenommen werden, dennoch sind die JPGs sehr gut verwendbar. Einziger Pferdefuss der kleinen Kamera: lahmer Autofokus. Man gewöhnt sich aber daran. Wie man sieht, sind auch Kinder schnell aufgenommen:

Ein großer Vorteil der Westentaschen-Knipse: ihre Nahfokus-Fähigkeit. Sprich: man kann ganz nah ran.

Das Bild ist nicht nachgeschärft!

Ich bin ein Fan von 28mm - natürlich gemeint als "Kleinbild-Äquivalent." Diese Brennweite ist herausfordernder als zum Beispiel 35 oder auch 50 mm. Dadurch, daß mehr im Bild ist, kann auch mehr stören. Dies trainiert aber die fotografische Tugenden! Störende Akzente vermeiden, auf die Ränder achten etc. Hat man ein 28mm-Bild, schließt es mehr Umgebung ein und macht das Bild damit sowohl intimer als auch spannender.

Man kann die Kamera auch einfach mal in Kniehöhe halten und quasi aus der Hüfte Bilder machen.

Oder man hat aus der Hüfte geschossen mal richtig Glück mit einem komplexen, erzählerischem Bild:

Auch Experimente sind möglich. Einfach mal eine lange Belichtungszeit einstellen, also die Blende schließen, und die Kamera bewegen.

Beim Wandern kann man nebenbei auch noch Schmetterlinge fotografieren.

Oder einer melancholischen Sicht auf die Welt fröhnen.

Ich habe mein Exemplar gebraucht gekauft. 240.- Euro. Wegen Sensorflecken. Deren zwei sind nur ab Blende 8 zu sehen, und auch dann nur, wenn man Flächen fotografiert. Also halb so wild. Wer findet sie?

Oder hier?

Ich empfehle, einfach mal in den Bereich der so genannten Edelknipsen hineinzuschnuppern.

Gebraucht sind sie unschlagbar, was das Preis-Leistungs-Verhältnis angeht. Eine Ricoh GR ist nicht minder empfehlenswert, und wer Knete übrige hat, kann natürlich auch eine Leica Q erwerben. Ich empfehle dringend Festbrennweite. Das trainiert ungemein, bessere Bilder zu machen.

Speisekarten empfehlen sich auch eher durch Reduzierung. Und schöne Gestaltung.