Über mich

Christian Palm - erstes Selfie

Meine erste Erinnerung: riesige Zimmer, ein Flügel, die Eltern und Schwestern räumlich weit weg. Ich wuchs in einer alten Villa in Leipzig-Gohlis auf. In meiner Erinnerung gigantisch. Da das Leben in der DDR aber zu dieser Zeit beschwerlich war, wenn man ein altes Haus bewohnte, beschwerlich vor allem deswegen, weil Kohlen geschleppt und dauerüberschwemmte Keller entwässert werden mussten, zogen wir in eine Platte in Leipzig-Mockau. Für mich heute unvorstellbar, war das für uns Kinder toll. Ein Fahrstuhl. Warme Räume im Winter. Entspanntere Eltern.

Das Leben in der DDR war visuell reizarm. An mehr als graue Fassaden und überall vereinheitlichte Bauteile kann ich mich nicht erinnern. Reizvoll indessen waren einerseits Menschen, andererseits Wald, Feld und Flur. Ich denke, daß dort der Ursprung liegt dessen, was ich immerzu fotografierte: Portraits und all das, was mir bei ausgedehnten Wanderungen vor die Linse kam. Kindliches Fotografieren heisst, alles abzulichten. Einfach so.

Förderlich war meiner fotografischen Begabung vor allem mein Großvater Erich Palm, mit dem zusammen ich Fernrohre aus Regenrinnen und Kameras aus Pappe bastelte. Später saßen wir in seinem Bad beisammen, Bilder im Fixierer belauschend. Eindrücke, die mich nicht mehr losließen.

Nun geht der Mensch Umwege, um sich immer wieder neu zu erfinden. Dem Abitur kurz nach der Wende folgte das Highschool-Diploma in den USA, dem schloß sich eine lange Zeit als Zivildienstleistender auf Krankenstationen in Leipzig an, dann ein bis zum erfolgreichen Physikum absolviertes Medizinstudium in Witten/Herdecke, schließlich das Studium "Musiktheater und darstellende Kunst" an der Folkwang-Hochschule Essen. Ganz nebenbei, auf leisen Pfoten, begann das Visuelle mich wieder in den Bann zu ziehen. So nahm sich die Fotografie immer mehr meiner Zeiträume.

Inzwischen studierte ich Fotografie an der Fotoakademie in Köln. Und bin seit zwei Jahren freischaffender Fotograf, die Aussicht auf Horizonte genießend, die jenseits meiner bisherigen Grenzen liegen.

Kategorien: Notizen

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